„Du kannst mir doch nicht erzählen, dass die arbeiten!“


….viele von euch fragen sich vermutlich manchmal, was wir Mitarbeiter der Stadtbibliothek Bonn so machen. Es sieht doch immer so einfach aus und mein Gott, ein Buch zurückbuchen kann ja wohl jeder. Ich kann darüber immer nur ein bisschen schmunzeln, weil es natürlich überall leichter aussieht, als es tatsächlich ist.

Aber um vielleicht dem einen oder anderen mal die Augen zu öffnen, will ich gerne aus dem Nähkästchen erzählen und erklären, was genau wir denn so alles in unserer Bibliothek machen.

Mein persönlicher Arbeitsalltag beginnt früh morgens mit der Rücksortierung der Medien, die am Vortag abgegeben worden sind und natürlich mit dem Aufräumen. Damit alles wieder hübsch ordentlich ist für euch.

Danach geht’s an die Bearbeitung der E-Mails. Darunter befinden sich diverse Anfragen zu Veranstaltungen, Autoren, die gerne ihr Buch vorstellen möchten, Termine zu Sitzungen, um sich untereinander auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln, Verlängerungsanfragen, Medienkistenanfragen von anderen Zweigstellen für Schulklassen oder Kindergärten und bestimmt noch ein zwei Sachen mehr, die mir gerade nicht einfallen.

Nebenbei kümmert man sich meist um Praktikanten oder Auszubildende, die unseren Beruf kennen lernen wollen und Anweisungen benötigen sowie Erklärungen. Zum Glück sind sie oft eine Hilfe und erleichtern uns den Tag.

Zweimal in der Woche findet in unserer Bibliothek morgens immer ein Bilderbuchkino für Kindergärten statt, die wir einladen, damit die Kinder Interesse für Bücher und Geschichten entwickeln. Manchmal kommen auch Schulklassen für eine Führung vorbei.

Für diese Führungen muss man sich was einfallen lassen, damit es nicht langweilig wird und das braucht Zeit und kreative Ideen.

Am Vormittag werden die ganzen Medien aus den Regalen gesucht, die man nach Feierabend über das Internet bestellen kann. Und ich kann euch versichern, das ist nicht wenig. Das Raussuchen der Bestellungen machen wir den ganzen Tag, auch neben der Ausleihe, wenn Zeit ist, daher seht ihr uns manchmal mit Körbchen in der Hand.

Schön, dass euch dieser Service so gefällt und ihr bei kleineren Wartezeiten mal ein, zwei Augen zudrückt. 😉

Um elf Uhr öffnen unsere Pforten und da wollen wir da sein für euch, also müssen wir schnell sein, um alles zu schaffen.

Neben schönen, aber auch manchmal schwierigen Gesprächen, Bestell- und Vormerkwünschen, Rechercheanfragen und die ständige Rücksortierung der Medien den ganzen Tag über, bleibt nicht viel Zeit, was anderes zu machen.

Wenn die Kundenschlange gerade abgeebbt oder man endlich fertig geworden ist mit dem Raussuchen der Bestellungen, steht auch schon der Postwagen an der Theke, der netterweise von den Kollegen und Kolleginnen aus der Poststelle hochgebracht wurde zu uns.

Den gilt es am Vormittag zu „verbuchen“, damit deine Bestellungen nachmittags fertig zur Abholung bereit stehen. Also wird schnell der Wagen bearbeitet, während Medien zurückgebracht, ausgeliehen oder Fragen beantwortet werden. Hat man den Postwagen geschafft, muss man natürlich auch noch alles wegräumen. Außerdem die Sachen aus dem Schrank ziehen, die leider nicht abgeholt worden sind.

Damit ist der Vormittag auch schon vorbei. Zeit zum Lesen ist da nicht. Manche denken, die Bibliotheksarbeit sei reines Vergnügen und wir würden einfach dort sitzen und viele Bücher verschlingen…schön wär’s! 🙂

Wenn noch etwas Zeit übrig ist, dann werden die AV-Medien in neue Hüllen gepackt oder sich was überlegt zur besseren Sortierung. Es werden Regalbeschilderungen gemacht/erneuert. Wir telefonieren mit Kindergärten bezüglich Terminen und organisieren Veranstaltungen. Wir schreiben Beitrage für diesen Blog, wenn Zeit ist und überlegen uns Themen, die dich interessieren könnten, welche wir dann in der Bibliothek präsentieren.

Am Nachmittag könnte man denken, dass nun alles geschafft ist und man weniger Stress hat.

Ha! Denkste! Nichts da. 😉

Denn dann kommen die Schulkinder und Kindergartenkinder zu uns oder die Menschen, die zeitiger Feierabend haben als wir, um sich schnell was auszuleihen für den Abend.

Also ist nachmittags viel mehr los als vormittags, dafür haben wir vormittags viel mehr Hintergrundarbeit zu erledigen.

Und weil wir euch gerne bei uns haben, bieten wir ganz oft Nachmittagsveranstaltungen an, die aufgebaut und abgebaut oder vorbereitet werden müssen.

Natürlich zusätzlich zu den Anfragen, Ausleihen, Rücknahmen und dem Einstellen.

Daher kommt man selten zu einer Verschnaufpause und wenn, dann genießt man die fünf Minuten Ruhe, die sich an einem langen Arbeitstag für einen ergeben.

Natürlich, wie kann es anders sein, seht ihr uns meistens genau dann und denkt „Hach haben die eine leichte Arbeit.“ Haben wir im Vergleich zu Bauarbeitern, aber soo leicht ist sie nun auch wieder nicht und man kommt des Öfteren ins Trudeln, wenn man viele Kundengespräche hat, das Telefon klingelt, die Wagen überlaufen vor zurückgebrachter Medien, Kinder plötzlich anfangen, hemmungslos zu schreien direkt vor der Theke, während man gerade telefoniert und und und…also falls ihr uns mal in den fünf Minuten Ruhephasen erwischt, dann denkt an meine Beschreibungen und gönnt es uns. Denn die haben wir uns verdient.

Jeder aufmerksame Leser von euch hat bestimmt gemerkt, dass ich noch nicht erwähnt habe, wann wir die neuen Medien einarbeiten und bestellen oder alte, kaputte Medien reparieren. Auch das passiert alles an den Vormittagen. Wenn wir zu zweit sind auch an den Nachmittagen. Wir ihr seht, sind wir von früh bis spät beschäftigt. 😉

Das Schönste für mich persönlich an meiner Arbeit ist, wenn die kleinen Kinder kommen und ein Buch gefunden haben, das sie mir Freude strahlend entgegen halten oder es kaum abwarten können, ihre Eltern in die Kinderecke zu zerren, um Ihnen unsere Kuschelstoffmöhre zu zeigen. 😀

Ich finde es klasse, wenn eine Männergruppe reinkommt und sich über die Hörbuchauswahl oder auch die Filmauswahl freut.

Es ist wirklich schön, wenn sich Menschen bei uns wiedertreffen, die sich schon ewig nicht mehr gesehen haben. Fast wie am Flughafen. 🙂

Ich freu mich auf eure Gesichter, wenn ihr endlich eure langersehnte Vormerkung in den Händen haltet und ein Strahlen über euer Gesicht geht.

Ich mag die netten Gespräche, die sich manchmal an der Theke ergeben über dieses und jenes Buch oder den neuesten Film.

Ich freue mich, wenn wir gemeinsam ans Regal gehen und finden, was du gesucht hast.

Ich liebe den Geruch von neuen Büchern und die Möglichkeit, die Bibliothek schön herzurichten für euch.

Ich mag eure unterschiedlichen Charaktere, die einen herausfordern durch schwierige Fragen, aufmuntern durch nette Gespräche oder einen den Tag schöner machen durch eure Freundlichkeit und euer Verständnis.

Ich freu mich über die vielen Menschen verschiedenster Nationen, die unsere Bibliothek besuchen.

Ich freu mich über die neuen Mitbürger, die den Weg als erstes in die Bibliothek finden, um sich über ihre neue Stadt zu informieren.

Auf was freust du dich, wenn du an deine Bibliothek denkst?

Beate Ruhland

 

 

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Über Beate Ruhland

Ich lese gern. Du auch? ;)
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8 Antworten zu „Du kannst mir doch nicht erzählen, dass die arbeiten!“

  1. elkejanssen schreibt:

    Wunderbar und sehr lebendig erzählt, super und vielen Dank

  2. Michaela Shields schreibt:

    ich schließe mich dem Lob meiner ‚Vorschreiberin‘ an. Sehr interessant mal ‚hinter die Kulissen‘ zu schauen, und einen Einblick in das Leben ‚auf der anderen Seite der Theke‘ zu bekommen. Weiterhin viel Spaß!

  3. Daniela Jatzen schreibt:

    Sehr schön, Bibliotheksarbeit ist mehr als nur freundlich lächelnd hinter der Theke zu sitzen.

  4. iheinbach schreibt:

    Ein wirklich schöner Beitrag´, indem man sich wiederfindet! 🙂

  5. Maria schreibt:

    „Auf was freust du dich, wenn du an deine Bibliothek denkst?“ Auf gar nichts mehr, die Stadtteilbibliothek Beuel Ost soll „ehrenamtlich“ betrieben werden. Da wir all diese hier wunderbar beschriebenen Tätigkeiten nicht bewältigen können, weil wir selbst Arbeit, Kinder, Haushalt und alles andere zu tun haben, heisst das für Beuel-Ost: Lichter aus!

    Früher gab es in Pützchen wenigstens noch eine kleine öffentliche Bücherei unten in der Marktschule, dann gab es lange Zeit unsere schöne große Bücherei in der Gesamtschule. Sie ist ein beliebter – der einzige – Treffpunkt hier im Ort. Meine Kinder haben sie geliebt und weinen jetzt schon.

    Mal sehen wie lange es dauert bis wir in Sankt Augustin heimisch geworden sind. Die Bücherei im Huma-Einkaufszentrum ist für uns die zweitbeste Alternative und nachdem wir jetzt von der Bonner Versorgung ausgegrenzt werden, suchen wir neue Wege.

    Herzlichen Dank an das Team in Beuel Ost!! Wir werden Euch und unsere geliebte Bücherei vermissen!

    • Detlev Lehmann schreibt:

      Sehr geehrte Maria!
      Zunächst einmal herzlichen Dank für die netten Worte für das Team der Bibliothek in Beuel-Ost.
      Die Stadtverwaltung hat vorgeschlagen, die Bibliothek in Beuel-Ost zu erhalten und dafür die Bibliothek im Brückenforum zu schließen. Dies ist von den Beueler Kommunalpolitikern geändert worden. Zunächst war daher beschlossen worden, die Bezirksbibliothek im Brückenforum geöffnet zu lassen und Beuel-Ost nur noch als Schulbibliothek zu erhalten. Es soll nun aber einen Kompromiss geben, so dass es evtl. möglich ist, dass auch die Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek während der Schulzeiten für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Ob dies dann so passieren wird, entscheiden die Politiker spätestens im Mai 2015.
      Detlev Lehmann
      Verwaltungsleiter der Stadtbibliothek

  6. Maria schreibt:

    Sehr geehrter Herr Lehmann,
    das hat ja super geklappt mit der Erhaltung! Die Jamaika-koalition will Beuel Ost schließen, aber zu den Schulzeiten hätte es sowieso nichts gebracht, die Kinder müssen in die Schule, die Eltern zur Arbeit.
    Es gibt hier Kunden, die seit mehreren Jahrzehnten nach Beuel Ost kommen und jetzt nach St. Augustin wechseln: Niedrigere Jahresgebühr, mehr Medien und Einzelausleihe ist möglich.
    Schade, dass Bonn die Stammkunden so wenig interessieren!
    Herzlichen Dank an das Team in Beuel Ost!! Wir werden Euch und unsere geliebte Bücherei vermissen!

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